Radio (Auswahl)

Kind im Knast
BR / HR 2020, 51 Min.
Feature – mit Frank Wierke

Wenn Sohn oder Tochter ins Gefängnis müssen, ist das auch für die Eltern eine Strafe. Sie kämpfen mit Scham, Schulden und Schuldgefühlen. Doch es gibt einen Ort, an dem Eltern von Inhaftierten offen reden können. Wir durften ihnen zuhören.

Ihr Kind fährt hunderte Male Schwarz. Es betrügt und erpresst. Es dealt oder stellt selber Drogen her. Es missbraucht oder schlägt zu. Die Eltern haben sich nichts zuschulden kommen lassen. Aber wenn das Kind ins Gefängnis kommt, werden sie trotzdem mitbestraft – oft ein Leben lang.
Es gibt keine Gebrauchsanweisung dafür, was man tun soll, wenn das eigene Kind in Haft kommt. Wie fühlt es sich an, wenn die Polizei mit Maschinenpistolen das Eigenheim stürmt, um den Sohn zu verhaften? Wenn das halbe Dorf am Gartenzaun steht und zuschaut. Wie kommt man damit klar, dass das normale Leben in einen Strudel aus Gerichtsterminen und Knastbesuchen gerät? Wie findet man eine Antwort auf die Frage: Was habe ich falsch gemacht? Wie geht man mit den Schuldgefühlen um – und wie mit den Schulden? Denn oft geben Eltern von Inhaftierten viel Geld für Anwalts- und Prozesskosten aus.
Einmal im Monat kommen beim „Treffpunkt e.V.“ in Nürnberg Menschen zusammen, die sich diese Fragen stellen – und die auch Antworten finden. Es ist die einzige Gesprächsgruppe für Eltern von Inhaftierten in ganz Deutschland. Hier können sie frei reden, ihre Ängste mit Anderen teilen und auch Scherze machen, die nur sie verstehen. Für ihr radioFeature durften Ralf Bücheler und Frank Wierke bei einigen dieser Sitzungen dabei sein. Sie berichten über ein Thema, das für viele immer noch ein Tabu ist, das aber mehr Menschen betrifft, als man denkt: Denn in Deutschland sind ungefähr 65.000 Menschen in Haft. Fast alle haben Eltern.
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FAKECAST – Nichts als die Wahrheit?
BR 2017/18, 6 mal 15 Min. (wöchentlich ab 14. Januar 2018)

Podcast – mit Lea Hampel

Verstörende Geschichten: Zu viel Information, um sie zu ignorieren und zu wenig, um sie wirklich einordnen zu können. Außer Kontrolle geratene Gerüchte? Bewusst gestreute Lügen? Einzelfälle? Das müsste man überprüfen, selbst auf die Gefahr hin, dass etwas dran ist. Es geht um die Wirklichkeit. Wie viel “Fake” steckt in Fake News – und wo genau?
Uns geht es nur nur vordergründig ums Faktenchecken – viel eher interessieren wir uns für die Dynamik von Gerüchten im digitalen Zeitalter, für die innige Beziehung zwischen Gerücht und Verschwörungstheorie, für die historische Dimension von Gerüchten, für den schmalen Grat zwischen Gerücht und Propaganda – und natürlich für unsere Handlungsmöglichkeiten in einer Welt “alternativer Fakten”, als Individuen, als Bürger, als Gesellschaft.
Mit unserem Podcast-Konzept und der Pilotfolge “Die klauen wie die Raben” gewannen wir im Frühjahr 2017 den Call for Podcast von BR und Spotify, zusammen mit zwei weiteren Teams. Unser Podcast geht im Januar 2018 im Bayerischen Rundfunk und in den einschlägigen Online-Ausspielwegen auf Sendung.
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Gottlos in Texas
BR 2015, 54 Min.
Feature

Atheismus ist in. Mit jedem Anschlag von Fundamentalisten, mit jeder Kriegserklärung im Namen der Religion, mit jedem Missbrauchsskandal in der Kirche fühlen sich die Atheisten bestätigt: Ohne Religion wäre die Welt besser dran – und Gott gibt es sowieso nicht.
In der texanischen Hauptstadt Austin hat Atheismus Tradition: Schon in den 60er Jahren wurden hier die “American Atheists” gegründet. Seitdem ist die liberale Stadt mitten im konservativen “Bible Belt” ein Leuchtturm des Unglaubens. Großen Anteil an dieser Strahlkraft hat “The Atheist Experience”. Jeden Sonntag läuft die Diskussionssendung auf dem offenen Fernseh-Kanal von Austin. Das Prinzip: Zwei Moderatoren diskutieren mit Anrufern über Gott und die Welt. Auch nach 17 Jahren ist die Show noch immer die einzige ihrer Art in den USA.
Weil in Amerika alles irgendwie mit Religion zu tun hat, wird in der Sendung kein großes Thema ausgespart: Es geht um Evolution, Bildung, Wissenschaft, Moral, Politik, Klimawandel, Abtreibung – und natürlich immer wieder um die Existenz Gottes. Viele Anrufer sind Christen, die ihren Glauben verteidigen. Sie scheitern fast ausnahmslos und werden ungnädig abserviert. Moderator Matt Dillahunty und seine Mitstreiter haben schon so ziemlich jedes Argument gehört.
Seit einigen Jahren rufen immer mehr Atheisten an – die Bewegung wächst stetig. Doch vor allem für die ländlichen Regionen der Vereinigten Staaten gilt noch immer: Menschen, die sich als Ungläubige outen, bekommen Probleme – schließlich weiß jeder, dass sie einst in der Hölle schmoren werden. Also setzen Eltern, Freunde und Kirchen alles daran, die Abtrünnigen vor diesem Schicksal zu bewahren. Wer aber nicht mehr zum Glauben zurückfindet, verliert oft sein soziales Netzwerk. Wenn Ratsuchende bei “The Atheist Experience” anrufen, werden aus den streitbaren Atheisten mitfühlende Zuhörer; viele von ihnen haben das selbst erlebt.
“Gottlos in Texas” lässt die Protagonisten von “The Atheist Experience” ebenso zu Wort kommen wie Gläubige. Wir blicken durchs Brennglas auf einen Konflikt, der uns noch lange beschäftigen wird: den zwischen Fundamentalisten und Aufklärern. Und dabei sind die Rollen keineswegs eindeutig verteilt.

Übernahme durch SRF 2 Kultur, Deutschlandradio Kultur

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